Konzert im Gemeindezentrum Schlaitdorf am 11.05.2019

Frühling bei Schlaitdorfs Musikfreunden

13.05.2019, VON REINER WENDANG 

Die Big Band gab ihr erstes Frühlingskonzert unter ihrem neuen Dirigenten Marco Leibach

Eine ausverkaufte Schlaitdorf-Arena empfing die Akteure der Big Band der Schlaitdorfer Musikfreunde zu deren erstem Frühlingskonzert unter neuer Leitung.

Die Big Band der Musikfreunde Schlaitdorf überzeugte zusammen mit ihrer Sängerin Sonja Döppert. 

 

SCHLAITDORF. Die seit drei Jahrzehnten bestehende Formation – ursprünglich durch einen Swingchor verstärkt – macht mit ihrem Dirigenten Marco Leibach einen glücklichen Eindruck. Nach Christian Mück ist er der Zweite, der den Klangkörper nach der langen erfolgreichen Leitung durch Bernd Völter übernommen hat.

Der erste Titel „Sing, sing, sing“ kommt so kraftvoll von der Bühne, dass man diesem seine über 80 Jahre nicht anmerkt. In „Groovin easy“, einem Sammy-Nestico-Arrangement, glänzt die Band mit gepflegtem Sound, guter Dynamik und Tenorsaxofon-Solo. Die Nummer „Creole Jazz“ gibt dem Klarinettisten Gelegenheit, dem großen Acker Bilk nachzueifern.

Es folgt ein Block mit drei Gesangstiteln, vorgetragen von der unvergleichlichen Sängerin Sonja Döppert. In „Just friends“ singt sie sich mit warmem Timbre ein, die Ballade „Don’t know why“ bietet schöne Melodien, immer perfekt intoniert und „Can’t take my eyes off of you“ beginnt mit schmachtender Phrasierung, um dann mit fetzigem Mitklatschteil die Sängerin bis zur Grenze zu fordern.

Der, dem daraufhin die Augen tränen, kann sich in Jerome Kerns Ballade „Smoke gets in your eyes“ zurücklehnen und bei einem schönen Flügelhorn-Solo entspannen. Mit „Halleluja I love her so“ wird wieder eine gänzlich andere Gangart eingelegt, Ray Charles’ rhythmisch anspruchsvoller Shuffle wird mit Tenorsaxofon solistisch abgerundet.

Die einzelnen Stimmenregister der Big Band können sich auf den kleinsten Nenner einigen, nicht auf den Posaunenspieler zu schießen. Und im gleichnamigen Titel liefern sich (Bass-)Posaune und Altsaxofon ein freundliches Duell. In „September“ von Earth, Wind and Fire wird es funkig und synkopierte Bläsereinsätze begleiten die Zuhörer in die Pause. Mit zwei schönen Swingklassikern melden sich alle wieder zurück und in einer Kintop-Version von Billy Joels „Root beer Rag“ zeigt der Pianist sein Können.

Dann schlägt wieder die Stunde der Sängerin, die gleich fünf Titel zum Besten gibt. Glaubwürdig interpretiert sie „Cheek to cheek“, liefert eine respektable Version der nicht einfachen James-Bond-Hymne „Skyfall“, schmachtet über schönem Akkordeon in „Feelings“, gibt Gas in einer Discoversion von „How high the moon“ und besticht mit schönen Melodien in „Blue skies“.

Hat sich in diesem Block die Big Band schon bestens bewährt, zeigt sie sich dann auf der Zielgeraden von der allerbesten Seite: Drei Stücke, beginnend mit dem fetzigen Rhythm ’n’ Blues „You’re the boss“, geben allen Registern Gelegenheit ihr Können zu zeigen, besonders mit guten Soli aus dem stabilen Trompetensatz.

Apropos Boss: Der neue Dirigent zeigt sich sympathisch souverän und führt seine Musiker mit wenigen, aber deutlichen Gesten durch die teilweise schweren Partituren. Es sieht aus, als hätte man bei der Probenarbeit viel Spaß, und die Ernte in Form eines begeisterten Publikums einzufahren ist sowieso das Größte.

So scheint hier auf der Schlaitdorfer Höhe der Blick in die Zukunft ungetrübt, ohne Bruch mit der großen Vergangenheit. Die Zugaben „Adios“ und das geniale „Blue Monk“ runden das Konzert ab und machen Lust auf die weiteren musikalischen Freundschaftsdienste.